Peptid-Wirkstoff gegen COVID-19

EU fördert klinische Studie an schwer COVID-19-Erkrankten am Klinikum der Uni München

 

Nicht nur die Entwicklung von Impfstoffen, auch die Forschung an wirksameren Medikamenten zur Behandlung von Covid-19 geht voran. Am Klinikum der LMU München in Großhadern läuft aktuell eine Studie zu peptidbasierten Wirkstoffen. Der Direktor der dortigen Klinik für Anästhesiologie und DZL-PI Prof. Bernhard Zwißler leitet die klinische Prüfung für die Studie in Deutschland. 

 

Die Patienten werden dabei mit einem bestimmten Wirkstoff behandelt, basierend auf einem chemisch synthetisierten Teilstück eines humanen Proteins. Der Wirkstoff mit dem internationalen Freinamen (INN) solnatide hatte in anderen klinischen Studien positive Effekte bei der Behandlung von Lungenerkrankungen gezeigt. Die aktuelle Studie an neun europaweiten Zentren bzw. Kliniken weitet die Untersuchungen nun auf COVID-19 Patienten aus. Hierfür konnte das SOLNATIDE Projekt-Konsortium aus vier Ländern eine EU-Förderung über insgesamt rund eineinhalb Millionen Euro einwerben. Die klinische Durchführung der Studie an intensivpflichtigen COVID-19 Erkrankten findet am LMU Klinikum unter der Leitung von PD Dr. Sandra Frank statt. 

Da er als Aerosol inhalativ verabreicht wird, gelangt der Wirkstoff direkt zum geschädigten Lungengewebe und kann dort seine Wirkung entfalten und in Folge den Patienten das Atmen erleichtern. Es werden dabei schwerst an COVID-19 erkrankte Patienten behandelt, die ein akutes Lungenversagen (ARDS) entwickelt haben und invasiv beatmet werden müssen. Als spezialisiertes ARDS-Zentrum übernehmen die anästhesiologischen Intensivstationen am Klinikum Großhadern auch regelmäßig ARDS-Patienten aus Kliniken der Region zur weiteren Therapie. 

COVID-19-Patienten in ARDS-Zentren behandeln?

In einer weiteren Studie am LMU Klinikum untersuchte das Team um Prof. Zwißler, ob schwer COVID-19-Erkrankte von der Behandlung im spezialisierten ARDS-Zentrum profitieren. Das Ergebnis legt nahe, dass dies der Fall ist. Die Studie ergab eine deutlich niedrigere Sterblichkeitsrate im Vergleich zur gesamtdeutschen Situation. Die Studienautoren empfehlen deswegen, schwerstkranke COVID-19-Patienten in einem ARDS-Zentrum zu behandeln, solange ausreichende Ressourcen verfügbar sind.

Weitere Infos:

www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7768596/

www.solnatide.eu

Das SOLNATIDE Projekt wurde durch das EU H2020 Programm “Advancing knowledge for the clinical and public health response to the 2019-nCoV epidemic“ (call ID: SC1-PHE-CORONAVIRUS-2020) durch Grant No. 101003595 finanziert.